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06.03.2015

Mäuse-Sprache kommt ohne Großhirn aus

Göttinger Wissenschaftler zeigen, dass die Nager nicht geeignet sind, um das Erlernen von Sprache zu erforschen


Die menschliche Sprache ist einzigartig, wir können Dinge und Ideen bezeichnen und sind in der Lage, durch Kombination von Silben und Wörtern unendlich viele Äußerungen zu produzieren. Eine wichtige Voraussetzung für Sprache ist die Fähigkeit, Laute nachzuahmen, also akustische Information abzuspeichern und die eigene Lautgebung daran auszurichten. Kortikale Strukturen im Gehirn spielen dabei eine wichtige Rolle. Während Singvögel und auch einige meereslebende Säugetiere zur Nachahmung von Lauten fähig sind, gibt es bei landlebenden Säugetieren kaum Hinweise auf vokales Lernen – noch nicht einmal bei den uns so nah verwandten Schimpansen, die nur auf ein angeborenes Repertoire an Lauten zurückgreifen können. Um die Grundlagen des vokalen Lernens aufzuklären, gerieten in den letzten Jahren zunehmend Mäuse in den Fokus der Aufmerksamkeit. Sie sind näher mit dem Menschen verwandt als Vögel oder Delfine, vokalisieren viel, und es gibt zahlreiche sogenannte „Mausmodelle“, bei denen gezielt bestimmte Gene manipuliert werden können. Zudem gab es Hinweise darauf, dass Mäuse in gewissem Umfang zum vokalen Lernen befähigt sein könnten. Julia Fischer und Kurt Hammerschmidt vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen haben gemeinsam mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie jedoch in ihrer jetzt veröffentlichten Studie gezeigt, dass Mäuse kein gutes Modell zur Erforschung von Sprache sind: Tiere, die aufgrund eines Gendefekts keine Großhirnrinde besitzen, unterscheiden sich in ihren Lautäußerungen nicht von gesunden Mäusen. Ihre Lautäußerungen werden also in evolutionär alten Hirnbereichen kontrolliert und sind nicht auf kortikale Verarbeitung angewiesen (Scientific Reports).

Lesen Sie mehr in der Pressemitteilung des DPZ (in Deutsch)